Dein Depressionspodcast mit Aufklärung, Neuigkeiten, Interviews, Talks und Wissen, das dich weiterbringt.
00:00:00: Lasst uns über Depressionen sprechen.
00:00:03: Weil es jeden treffen kann, weil wir uns das nicht einbilden.
00:00:08: Weil wir nicht einfach nur traurig oder müde sind.
00:00:11: Weil Menschen mit Depressionen sich von außen nur eines wünschen Verständnis.
00:00:34: Schön dass du da bist.
00:00:37: Ich habe heute etwas ganz besonderes Denn ich hab einen Interview mit Stefan Czimek geführt der einen Dokumentarfilm über seine eigene Familie gemacht hat und darin erzählt, wie es der Familie mit der Depression des Vaters ergangen ist.
00:00:54: Und da kommen wirklich alle zu Wort Vater Mutter die vier Geschwister von ihm eher natürlich selbst und er zeigt oder lässt durch die Geschichten da wirklich ein richtig tiefen Einblick in die Familie zu.
00:01:06: also die ganze Familie hat dann natürlich zugestimmt und auf der anderen Seite sieht man auch einen Prozess durchlebt, der am Ende dazu führt dass sie nicht auseinander bricht was hätte passieren können wenn Sie das eben nicht gemacht hätten und das fand ich super spannend.
00:01:22: Ich durfte den Film schon in großen Teilen sehen und kann den wirklich guten Gewissens uneingeschränkt weiter empfehlen hat mich sehr berührt habe mich sehr an meine eigenen Familienkonstruktionen aber auch an meine eigene Heilungsgeschichte erinnert ist sehr inspirierend mit vielen Impulsen die man, glaube ich für sich selber mitnehmen kann.
00:01:42: Wenn man sich mit dem Thema beschäftigen möchte, Angehörige oder Betroffene von Depressionen ist... Ich wünsche euch da auf jeden Fall ganz viel Freude mit dieser Folge.
00:01:51: und wer den Film sehen möchte ihr kriegt natürlich jetzt auch alles mit und in den Show notes ist alles verlinkt wo ihr das alles sehen könnt.
00:01:58: also film kann man jetzt auch schon downloaden und streamen.
00:02:01: Da wünsch ich euch auch viel freude mit!
00:02:04: Ich begrüße Stefan Cimic der es sich heute Zeit genommen hat einerseits über sich seine Familie über die Depression seines Vaters, aber auch über den Film zu sprechen denen er genau über diese Situation gemacht hat.
00:02:17: Hallo Stefan!
00:02:18: Hallo Nikolas, danke dass ich hier sein darf.
00:02:21: Ja ich finde es schön das du da bist.
00:02:22: wir beide haben uns kennengelernt über E-Mail wie so oft bei mir im Podcast.
00:02:26: Du hast mir geschrieben dass du ein Film gemacht hast und der schon einiges an Aufmerksamkeit erregt hat und mir auch einen Link zur Verfügung gestellt.
00:02:35: Und ich habe reingeguckt, ich hab noch nicht ganz geguckt aber reingekuckt und wir haben im Vorgespräch schon drüber gesprochen.
00:02:41: Ich habe tatsächlich noch keinen Film gesehen der das Thema Depression so gut einfängt Aber jetzt nicht als Zwanziu-Fünfzehn Abendfilm sondern als Dokumentation Der so reflektiert aber auch wahnsinnig hart ehrlich mit diesem Thema umgeht.
00:02:59: Ja, das ist glaube ich wirklich das Besondere an diesem Film.
00:03:01: Und ich selbst habe auch noch keinen Film gesehen bei dem alle Familienmitglieder in einer Familie sich zu den Themen äußern und was diese Depressionen mit ihnen macht.
00:03:12: Das Besondere bei uns ist sicherlich auch dass wir sieben Familienmitlieder sind also meine beiden Eltern und ich hab noch vier Geschwister.
00:03:20: Wir alle sind vor der Kamera und wir alle äußeren uns sehr ehrlich und ich glaube auch recht authentisch dieser Zeit der Depression meines Vaters und reflektieren heute als Erwachsener, was diese Zeiten um uns gemacht hat.
00:03:34: Und das ist tatsächlich etwas, was ich so bisher auch noch nicht gesehen habe.
00:03:41: Absolut!
00:03:42: Ich auch nicht... Es gibt ja einiges an Filmen, es gibt doch einiges in Dokumentationen aber die ist wirklich speziell weil sie halt irgendwie also ihr lasst wirklich zu dass man bei euch in diese Familie eintaucht Aber nicht eintaucht im Sinne von wer ist da, was macht ihr so?
00:03:59: Sondern wirklich auch in diese Schmerzen hinein.
00:04:01: In diese tiefen Wunden... Was hat wer verursacht?
00:04:04: und diejenigen, die dafür verantwortlich sind in Anführungsstrichen, sind aber dann auch auf der einen Seite merkt man wie sehr die das mitnimmt, auf der anderen Seite aber auch wie sie die Verantwortung dafür übernehmen können.
00:04:17: Ja also Also wir haben das vielleicht früher auch als Kinder schon praktiziert.
00:04:23: Wir haben immer eine sehr offene Gesprächskultur bei uns zu Hause gehabt und konnten über vieles reden, Emotionen waren okay und meine Eltern haben sich damals schon sehr viel auch so mit Pädagogik ums Auseinander gesetzt.
00:04:35: und wie erziehen wir unsere Kinder?
00:04:36: Und haben das gepflegt und das merken wir natürlich jetzt als Erwachsene auch.
00:04:41: Ich muss aber auch dazu sagen, dass das natürlich kein kontinuierlicher Zustand bei uns in der Familie war.
00:04:47: Sondern natürlich sind auch wir wie sicherlich alle Familien durch Phasen durchgegangen.
00:04:51: also ich hatte beispielsweise eine ziemlich harte Pubertät, in der ich sehr stark rebelliert habe und da war ich sicherlich wenig gesprächsbereit.
00:05:01: Aber jetzt wo wir alle erwachsen sind und alle so in unseren Dreißigern sind wir alle daran interessiert, irgendwie einen guten Kontakt zueinander zu haben.
00:05:12: Und der ist manchmal auch schmerzhaft und das haben wir bei diesem Thema explizit gemerkt.
00:05:16: Das war letztendlich auch der Auslöser dafür diesen Film zu machen, weil wir gemerkt haben es gibt da ein Thema aus unserer Kindheit die Depression unseres Vaters, die uns bis heute beschäftigt und die bis heute eine ziemlich tiefe Wunde bei uns hinterlassen hat.
00:05:29: Da hatten wir natürlich noch nie darüber gesprochen bis dahin aber als wir das dann festgestellt haben Es war klar, das Thema kann ja nicht mehr weggehen.
00:05:38: Dann müssen wir jetzt darüber reden und da gab es zum Beispiel eine Szene.
00:05:41: Da sind wir am Weihnachten zu Hause gewesen.
00:05:43: Das war keine Szene aus dem Film sondern dass es in Wirklichkeit passiert bevor die Kameras liefen.
00:05:49: Und das war der Tag der auch ein bisschen den Ausgangspunkt für diesen Film dargestellt hat.
00:05:56: Da hat mein einer Bruder gesagt, wie sehr in dieser ganze Zeit der Depression noch Schmerz und wie verletzt er da ist.
00:06:02: Man sieht es auch schon im Trailer ein bisschen... Und wir saßen alle zusammen in einem Kreis und haben darüber geredet und jeder hat seine Perspektive geteilt auf diese Zeit zum ersten Mal!
00:06:12: Das war für mich als Ältester in der Familie echt ein bisschen schmuckierend sogar und schambehaftet am Ende.
00:06:20: also ich... Hätte nicht gedacht, dass da so starke Verletzungen zurückgeblieben sind.
00:06:25: Und es gab eine süße Szene wo meine kleine Nichte die damals zwei war mit im Kreis saß.
00:06:32: also ich hätte das alles live miterlebt Die ganzen Emotionen die an dem Tag hoch gekommen sind und meinte so Stefan weint Hat das einfach nur benannt und es war So schön und total berühren.
00:06:45: dann muss ich noch mehr weinen.
00:06:48: Aber es war ein sehr emotionaler tag und letztendlich für uns total wichtig.
00:06:52: Das Thema war danach alles andere als durch, das ging da gerade erst los aber es war glaube ich für uns ein wichtiger Moment zu merken.
00:06:57: okay die letzten Jahre waren hart irgendwie nach innen hin zumindest.
00:07:03: ja.
00:07:03: also Leute bei unserer Familie haben gelitten und dass ist nicht weg so und es braucht irgendwie die Aufmerksamkeit der Familie.
00:07:11: und genau dann ging halt ein Prozess los der viele jahre gedauert hat in einem Dokumentarfilm gemündet ist.
00:07:20: Der ist neunzig Minuten lang geworden, das ist auch eine Herausforderung natürlich so viele Geschichten von sieben Leuten in neunzig Minuten zu packen und trotzdem den roten Fahrten zu behalten.
00:07:32: aber ja es hat einfach viel Zeit gebraucht, viele Umschnitte und am Ende bin ich jetzt total zufrieden mit dem Resultat.
00:07:41: und ganz wichtig meine Familie auch.
00:07:45: Ja, das freut mich.
00:07:46: Ich habe mir vorher natürlich überlegt was ist beim Film immer schwierig für mich?
00:07:50: Über was sprechen wir das wenn ich spoilern?
00:07:53: Wo passen wir auf?
00:07:53: und ich hab mir gedacht eigentlich können wir fast gar nicht zu viel spoilern Wenn ich mit dir spreche weil in dem film spricht ja dein Vater deine mutter deine geschwister Und es findet ihr auch also kommt ihr auch noch eine psychotherapeutin Im innen einsatz und Die zu hören und deren Sicht auch zu hören zu spüren was die so von sich geben das kann man gar nicht spoilern.
00:08:15: also das muss man tatsächlich gesehen haben und so ein bisschen mitfühlen.
00:08:18: Und es baut sich tatsächlich fast ein bisschen auf wie so ein Thriller.
00:08:22: Es ist ganz, ganz seicht anfängt erstmal und jeder ganz fröhlich und beim Kochen gefilmt seid.
00:08:29: und dann kommt irgendwann dieser Punkt wo man sagt okay mein Vater war irgendwann ist irgendwann in der Depression gefallen dann spricht er selbst darüber sehr drastisch auch und dann kommen deine Mutter deine Geschwister kommen zu Wort.
00:08:39: Es baut sich tatsächlich eine Spannung auf, die sich am Ende auch ein bisschen löst durch diese therapeutischen Einsätze.
00:08:46: Also ich glaube da können wir gar nicht zu viel verraten und deswegen ... Ich würde dich gerne über diese Zeit noch mal ein bisschen interviewn.
00:08:55: Du hast im Film irgendwann gesagt du hast eigentlich ganz wenig mitbekommen davon wie es deiner Familie ging oder wie's auch deinem Vater ging also obwohl er ja diese Depression hatte während du noch zu Hause warst?
00:09:09: Ja, das hat sich so überschnitten.
00:09:12: Das Interessante ist auch, dass die Depression in einem Jahr losging als drei Leute bei uns ausgezogen sind.
00:09:18: also die drei ältesten Geschwister sind in dem gleichen Jahr ausgezogen Die zwei Jüngsten sind noch zu Hause gewesen für mehrere Jahre und zwei meiner Geschwisters Also der eine mit meine Schwester erst auf den Internat gegangen Und mein anderer Bruder nicht sind zum Studium gegangen.
00:09:34: aber die Depression hat schon vorher eingesetzt also ein paar Monate zuvor Und ich hab damals wenig davon mitbekommen, meine damalige Freundin tatsächlich hat gemerkt, dass sich bei meinem Vater irgendwas geändert hat.
00:09:46: Aber ich war mit meinem Kopf wirklich wo ganz anders.
00:09:49: Bei mir war Abi durch... Ich habe dann Work and Travel in Australien gemacht für drei Monate so wie das damals alle gemacht haben oder viele und danach bin ich sofort zum Studium nach Berlin gegangen.
00:10:02: Und ich habe physisch in Präsenz ganz wenig nur mit bekommen damals Und das ist aber bei den anderen Geschwistern teilweise anders gewesen.
00:10:11: Meine Schwester, obwohl sie nicht mehr zu Hause gelebt hat war immer zu sehr einschneidenden Events zuhause und hat echt wahnsinnig viel mitbekommen und hat sich auch ganz anders dafür interessiert.
00:10:23: also die war viel neugieriger was da passiert und noch viel mehr emotional betroffen und ich hatte mich glaube ich sicherlich auf durch meine sehr starke Pubertät von zu Hause losgelöst und noch wirklich sehr auf das Flügel ausbreiten.
00:10:37: Und um ehrlich zu sein, also zum Nachhinein muss ich sagen war mit es eigentlich relativ egal was da auch Zuhause passiert ist.
00:10:45: Das hat mich emotional nicht getroffen haben für mich andere Dinge einfach eine Rolle gespielt.
00:10:51: ... schade auf der einen Seite oder ich fühle mich da auch auf der anderen Seite ein bisschen ignorant, aber auf der andern Seite denke ich mir auch es war glaube ich in der Zeit mit neunzehn.
00:11:03: Auch wichtig dass ich mit einem neunzentzwanzig ... ... wichtig das sich da ... ... unbeschwert ins Leben starten konnte.
00:11:09: also das war für mich sicherlich... ... der bessere Weg so wie es dann gelaufen ist.
00:11:14: Ja genau.
00:11:15: Aber wie gesagt alle Geschwister haben sehr unterschiedlich erlebt und ... ... das ist auch genau Thema des Films wie unterschiedlich sowas zu Hause einfach auswirken kann.
00:11:25: Und was ich so mitbekommen habe in Gesprächen mit Leuten, die den Film gesehen haben ist das viele Leute sich in einzelnen Charakteren wiedererkennen.
00:11:34: Also manche erkennen sich in meiner überforderten Mutter wieder oder in meinem wütenden Bruder oder ja so ne?
00:11:43: In dem abwesenden Sohn.
00:11:44: also jeder sieht irgendwo parallel zum eigenen Leben weil das müssen wir auch ehrlich sagen Depression.
00:11:50: es war das Thema jetzt irgendwie des Films aber Ist eigentlich gar nicht so wichtig, was der Auslöser ist für die Familiendynamik.
00:11:57: Sondern es hätte auch etwas ganz anderes sein können.
00:11:59: Ein schlimmer Verkehrsunfall oder eine Trennung oder so ne?
00:12:03: Also... Es geht in den Film um Depressionen aber ich hab Depression noch absichtlich nicht in ein Titel mit reingenommen weil es geht eigentlich um Familie und darum wie begegnen wir unsere Familie als erwachsene Kinder ...mit Themen, die wir aus der Kindheit mitbekommen haben Und das hat jeder!
00:12:21: Also ich habe selten Leute getroffen oder eigentlich nie die gesagt haben, nee bei mir war alles gut.
00:12:26: Ich hab gar keine Themen mit der Familie und schön dass es diese Leute gibt!
00:12:31: Ich würde die wahnsinnig gerne kennenlernen aber bisher sind sie mir noch nicht untergekommen und deswegen finde ich das so schön auch für uns, dass wir das gemacht haben, dass wieder diese Zeit investiert haben diesen Film zu machen und darüber halt ganz, ganz viele tolle Gespräche geführt haben.
00:12:48: Nicht mal leichte auch sehr schwere und schmerzhafte aber die uns letztendlich zu einem besseren Miteinander geführt habe.
00:12:57: Da sagst du auch was Spannendes.
00:12:59: ich glaube nämlich dass die Kommunikation eine der wichtigsten Teile ist so innerhalb von der Familie was natürlich in einer Kindheit Eltern jeder hat das ein Part nicht funktionieren kann.
00:13:12: also Kinder sind Egoisten, die können nicht super perfekt kommunizieren.
00:13:17: Also auf der einen Seite ist Kommunikation wahnsinnig wichtig wenn man dann irgendwann älter wird.
00:13:21: Auf der anderen Seite ist aber auch sehr wichtig diese soziale Gefüge jedem quasi zuzugestehen dass er so eine Rolle hatte und die Situation noch anders wahrgenommen hat.
00:13:32: Ich krieg ganz oft als psychologischer Berater mit meinen Klienten das.
00:13:36: manche sagen ja ich habe drei Brüder oder ich hab Geschwister.
00:13:40: Da gab's mal einen Fall, dass einer wirklich es geschafft hat zu jemandem und zu werden.
00:13:45: Zu dem man aufschaut also eine richtige Persönlichkeit mit einem super Job und ganz angesehen.
00:13:50: Und die drei Brüder waren quasi in dessen Schatten.
00:13:53: nichts auch für die Eltern.
00:13:55: Der hat immer gesagt zu seinen Brüdern, ihr hattet die gleiche Kindheit, ihr hatte die gleich Chance.
00:14:00: Das ist eigentlich total eingeschränkt und unfair weil das nicht stimmt.
00:14:04: Sie können das ganz anders erlebt haben mit einer ganz anderen Persönlichkeit.
00:14:09: Und das ist was in deinem Film wahnsinnig gut eingefangen ist, also keiner von euch ist wirklich gleich!
00:14:15: Ja, ne sind wir nicht, sie sind sehr unterschiedlich eigentlich... Also natürlich, ich hab zum Beispiel mit meinem zwei Jüngsten-Bruder einige Gemeinsamkeiten.
00:14:23: Aber mit dem zweiten Ältesten ... Ich war ein Best Friends als Kinder.
00:14:28: Aber in der Pubertät haben wir uns gehasst und wir mussten uns im Zimmer teilen.
00:14:31: also das hat so heftigen Kämpfen geführt und wir sind bis heute sehr unterschiedlich würde ich sagen.
00:14:35: aber jetzt treten wir uns als Erwachsene auf einer anderen Ebene und es ist alles total schön mittlerweile.
00:14:40: Aber wir sind grundverschiedene Menschen ja?
00:14:41: Und das stimmt!
00:14:42: Das tut halt recht... Wir können die Kindheit sehr unterschiedlich erleben.
00:14:48: Das ist jetzt in unserem Fall mit der Depression natürlich noch mal ein härter Fall, aber auch unabhängig davon kann man ganz unterschiedlich aufwachsen, obwohl man in der gleichen Familie ist.
00:15:02: Was mir dazu noch einfällt... weil du gesagt hast.
00:15:06: es ist auch so wichtig irgendwie anzuerkennen dass alle das anders wahrnehmen.
00:15:09: also einer meiner Brüder der viel Wut in die Familie gebracht hat ist einer zu dem ich mal gesagt habe, Junge, ihr könnt es hier nicht mehr auffangen.
00:15:20: Macht bitte eine
00:15:20: Therapie.".
00:15:22: Und das hat ihn so getroffen weil er dadurch sich als der Kranke in Anführungszeichen gefühlt hat und als derjenige, der das Problem ist und so.
00:15:31: Natürlich ist er dort auf der einen Seite irgendwie oder bringt Unruhe in die Familie und auf der anderen Seite hab' ich diesen tollen Begriff gelernt den ich sehr schön finde.
00:15:40: Er hat auch ne total wichtige Rolle anspricht auf eine sehr unbeholffene Weise wohlgemerkt aber auch ne wichtige weise.
00:15:50: Weil dann Dynamik anspricht wo in der Familie, in dem Familiensystem etwas noch nicht in Ordnung ist.
00:15:54: und als wir das also diesen Zwitschern so im Kopf hingekriegt haben also erst nicht derjenige der irgendwie nervt sondern erst derjenigen der eigentlich was ganz ganz wichtiges hindeutet hat er sich auf einmal ganz anders gesehen gefühlt und dass es für den ganzen Heilungsprozess, glaube ich auch zum Schlüsselmoment gewesen das zu sehen.
00:16:17: Das hat richtig gut funktioniert so für ihn und für uns anderen damit natürlich auch.
00:16:23: Wahnsinnig wertvoll!
00:16:24: Und etwas was, ach glaub ich, zu achtundneunzig Prozent aber gar nicht stattfindet und nicht stattfinden kann weil wir lernen das ja auch nicht ne?
00:16:32: Dass es sowas gibt dass ist solche Verhältnisse also kein Schulfach oder sowas ist also keine Kritik.
00:16:37: Da ist jemand, der eine wahnsinnige Wut hat.
00:16:40: Das ist ja dein jüngerer Bruder Lukas glaube ich.
00:16:42: heißt er ne?
00:16:43: Der
00:16:43: zweitjüngste genau.
00:16:44: Genau.
00:16:44: und also er bringt es mit und man merkt auch wie ihn das total stört im Film.
00:16:50: Also man sieht auch was da in ihm los ist.
00:16:53: Es ist richtig echt!
00:16:56: Wie er sich so in der Familie eigentlich... erst mal schlecht fühlt.
00:17:00: Und als er aber gesehen wird, auch das kriegt man ja im Film zu sehen, dass sich das Ganze ändert und die Wut sich dann zwar immer ... Also ich sehe es noch da... Aber er merkt okay, ich muss damit lernen umzugehen und es ist eine Wunde von mir, die zwar voneinander verursacht wurde, aber ich muss eben gucken was ich damit mache.
00:17:18: Das können viele nicht sagen Er hat ne Wut, du hast gerade gesagt, er hat Ne Wut und löst damit trotzdem etwas aus.
00:17:26: Auf der einen Seite wollen wir ihn gar nicht verurteilen, weil die kommt ja irgendwo her, die Wut.
00:17:29: Auf der anderen Seite darfst du aber trotzdem daran arbeiten, weil es macht was mit der Familie.
00:17:35: Wie habt ihr den Switch hingekriegt?
00:17:36: Habt ihr den gemeinsam hin gekriegt und gesagt, stopp mal, jetzt müssen wir mal anders denken oder wie kam er?
00:17:44: Also ich möchte doch nicht zu viel vorwegnehmen, aber damit ... das hatte mit der Trapolton zu tun, die wir irgendwann dazu gezogen haben Rolle für die Lösung spielt, sag ich mal.
00:17:58: Genau und die hat da nochmal einen neuen Blick drauf gehabt.
00:18:01: Das ist ja auch so wenn man da drin steckt in der Familie dann ist es ganz schwer plötzlich nach Jahren eine Außenperspektive einzunehmen.
00:18:09: Und deswegen finde ich Therapie auch so wahnsinnig wertvoll grundsätzlich für jeden Einzelnen aber auch vielleicht für den Familiensystem weil einfach noch mal jemand neutralen gibt er von außen drauf blickt und der Zusammenhänge vielleicht nochmal anders sieht.
00:18:24: Genau, aber ich möchte da jetzt gar nicht so viel zu sagen.
00:18:26: Weil das ist nämlich ein sehr zentrales Element im Film und um das auch wirklich zu verstehen muss man glaube ich auch die Vorgeschichte im Film gesehen haben genau.
00:18:36: Das ist glaube ich wichtig.
00:18:38: Okay was würdest du denn sagen also die Depression deines Vaters?
00:18:42: Also es ist ja eigentlich der zentrale Punkt.
00:18:45: Gab's dann davor unten danach oder gab's Wenn du jetzt zurückblickst, also du hast ja gesagt, du hast nicht so mitbekommen.
00:18:52: Aber wenn du so zurückblickst gab es da schon in eurer Kindheit vielleicht Punkte wo du sagst naja also es gab da schon Tendenzen die halt irgendwann ausgebrochen sind.
00:19:00: oder war das wirklich mit davor und danach?
00:19:02: Ja ähm also dass da gibt's eine große Diskrepanz in meiner erlebten Erinnerung Und Ähm in der Realität.
00:19:11: Also vieles habe ich als kind natürlich nicht mit bekommen weil meine Eltern Das von uns verangehalten haben so gut es ging.
00:19:19: Das spielt im Film ja nicht so eine Rolle, aber die Depression, die in dem Film thematisiert wird ist nicht seine erste Depression sondern seine dritte.
00:19:25: Jetzt habe ich aus Zeitgründen nicht in den Filmen reingenommen weil es nicht so wichtig fand am Ende für die Struktur des Films, aber es ist tatsächlich die dritte Depression gewesen und das viel vorher passiert.
00:19:39: und latent schwang immer was Depressivees bei ihm mit.
00:19:44: Aber der Alltag mit fünf Kindern und einer Frau, meine Mutter ist Hausärztin.
00:19:49: Und er hat die Praxis mit organisiert.
00:19:51: also ein kleines Wirkungssystem.
00:19:52: was sie da geschaffen haben das war halt wahnsinnig betreuungsintensiv und... Da gab es im Alltag für ihn glaube ich wenige Raum diese depressiven Gefühle zuzulassen und zur Geldung kommen zu lassen.
00:20:06: Er hat sie jetzt nicht kontrolliert oder so.
00:20:08: Ich weiß nicht dass gibt bei depressiven gefühlen glaube ich nicht in der Depression aber... ...da war einfach so viel anderes ihn vielleicht abgelenkt hat oder so.
00:20:17: Aber dann in dem Jahr, als wir drei Ältesten ausgezogen sind da ist die Depression ja ausgebrochen und es ist halt eine ungeklärte Frage oder eine Vermutung hat vielleicht der Ausbruch der dritten großen Depression, die im Film Rolle spielt auch etwas mit dem Auszug von uns drei ältesten Kindern zu tun.
00:20:38: Also er war zum Beispiel Hausmann, er hat nicht gearbeitet, meine Mutter hat gearbeitet Er hat immer so Workshops gegeben und Vorträge und so ein bisschen nebenbei, aber eigentlich war seine Hauptaufgabe die Erziehung von uns Kindern.
00:20:49: Und den Haushaltorganisieren, die Praxismanaging irgendwie so ne?
00:20:54: Und da ist für ihn dann in einem Jahr eine große Aufgabe verloren gegangen... ...und was eine Vermutung ist, dass das Raum gegeben hat für die Depression zurückzukommen.
00:21:06: Also es war jetzt nicht der Auslöser im Sinne von oh, die Kinder ziehen weg mit Love Crisis, was mache ich jetzt?
00:21:11: Sondern vielleicht eher so Die war sowieso die ganze Zeit schon da und schwelte im Unbewussten.
00:21:17: Und hatte dann aber auf einmal wieder einen Raum, sich zu zeigen.
00:21:22: Das hat sie dann gemacht in einer Länge-und Härte, die keiner vorher abschätzen konnte.
00:21:28: Ja ja...
00:21:29: Also das ist auch etwas was man gerade bei deiner Mutter im Film merkt.
00:21:32: also wie sehr?
00:21:33: Und wie lange die damit auch gekämpft hat?
00:21:37: Wie sage ich das für ein Wechsel stattgefunden hat in ihr?
00:21:41: Also erst mal war es so übernehmen quasi das was er nicht mehr machen kann, weil er jetzt gerade in der Depression steckt.
00:21:48: Weil er auch körperlich vielleicht grade nicht kann.
00:21:50: also dass sie sich dann um mehr gekümmert hat.
00:21:52: und man merkt aber auch wie sie davon spricht dass sie immer mehr Energie auch lässt und selber merkt wow wenn ich jetzt so weitermache dann vielleicht rutsche ich dann selber mit rein.
00:22:01: also dieser typische strudel den den ich immer sage dem depressive um sich rum auch erzeugen können größer oder kleiner oder stärker oder schwächer da kann man mit reingezogen werden.
00:22:12: Na ja, sicherlich.
00:22:12: Also die Gefahr bestand vielleicht auch... Meine Mutter ist eine super starke Frau, die viel Energie hat und klar mit fünf Kindern brauchen wir das irgendwie auch.
00:22:22: Und Selbstständigkeit!
00:22:24: Die hat wahnsinnig viel aufgefangen und ich glaube wenn sie nicht gewesen wäre dann wäre die Situation nicht so ausgegangen wie sie jetzt ausgegangen ist.
00:22:32: also Ich meine es standen ja auch auf Themen wie Sozialität und Ausziehung meines Vaters Trennungen.
00:22:37: also da stand ganz viele Themen im Raum die das ganze Familiensystem wahrscheinlich erschüttert hätten oder noch mal zusätzlich erschüttern.
00:22:45: Und sie hat dann wirklich viel ausgehalten und mitgemacht.
00:22:49: Ich bin total froh, dass ihr bei irgendwann ein paar Dinge für sich erkannt habt... ...die Sie anders machen konntere um sich selbst zu schützen.
00:22:58: Weil das ist glaube ich auch ein wichtiger Schlüssel irgendwie.
00:23:00: Selbst wenn man betroffen ist von dem man denn derpsychisch erkrankt ist,... ... für sich selbst auch guckt, dass es einem auch gut geht.
00:23:10: Also das man sich nicht komplett selbst aufgibt und... ... dadurch dann bücherweise selbst Gefahr läuft, ja auch psychisch krank zu werden oder auch anders krankzwerden.
00:23:20: also kann ja auch sein, dass man durch diese Art von Stress an andere chronische Krankheiten bekommt die man nicht unbedingt haben möchte.
00:23:27: So deswegen ist es glaube ich total wichtig trotz dem... der Schönheit des Helfens, sag ich mal.
00:23:36: Dass man trotzdem auch noch einfach immer auf sich guckt wie geht es mir dabei und wie viel kann ich wirklich geben ohne dass ich selbst krank werde?
00:23:45: Wie weit oder wie lang ging denn eigentlich der Prozess für euch jetzt Familie von... Also du hast ja gesagt irgendwann habe ich verstanden wow da ist irgendwas in unserer Familie andere haben auch die diese Depressionen mitbekommen bis zu dem Punkt wo du sagst also Ich würde jetzt nicht sagen überwunden, aber es ist zu einem Punkt gekommen wo alle sagen okay wir verstehen was los ist und wissen was zu tun ist.
00:24:13: Das war ein sich entwickelnder Prozess.
00:24:16: also ich glaube die Struktur der Filme gegeben dadurch... Also ich fange mal vielleicht vorne an als ich hatte irgendwann die Idee im machenden Film weil ich gemerkt habe diese Art der Gespräche die wir machen da führen über so einen Thema die sind ungewöhnlich.
00:24:28: das kannte niemand meiner Freunde, denen ich das erzählte.
00:24:32: Ich habe gesagt was?
00:24:33: Was redet ihr mit der Familie um Gottes Willen?
00:24:35: Wieso denn so krass voll beeindruckend?
00:24:40: Gleichzeitig waren manche auch immer überrascht.
00:24:43: also warum krass ihr habt solche Themen.
00:24:45: Ich dachte ihr seid immer eine glückliche Familie.
00:24:48: Da hab ich gemerkt okay da steckt irgendwas drin an Themen.
00:24:51: und dann kam Corona und mit Corona sind wir als Freiberufler ganz viele Jobs weggebrochen.
00:24:57: Plötzlich hatte ich monatelang nichts zu tun und habe dann überlegt, viel geht ja gerade nicht.
00:25:02: Was kann ich jetzt stattdessen machen?
00:25:03: Und dann kam mir diese ganze Idee ein Film in meine Familie zu machen... ...und darüber was diese Zeit der Depression meines Vaters mit uns gemacht hat.
00:25:14: Dann gab es einen Telefonat an Ostern, da haben wir uns alle zusammengeschlossen, darüber geredet.
00:25:20: Ich hatte einige schon vorher angerufen und das angekündigt Und eigentlich waren dann alle relativ schnell überzeugt mitzumachen.
00:25:27: Also bei manchen hat es ein bisschen länger gedauert, aber grundsätzlich liegen das dann relativ schnell und sagen wir machen das.
00:25:34: Dann habe ich in dem gleichen Jahr als Corona auch ausgebrochen ist mit dem Film angefangen.
00:25:39: Ich glaub, es ist ein Feuer ausgebrochen.
00:25:40: Aber egal.
00:25:41: Im gleichen Jahr, das Telefonats, ein paar Mal später hab ich angefangen den Film zu produzieren und es hat dann drei Jahre gedauert.
00:25:48: In diesen drei Jahren ist natürlich viel passiert.
00:25:50: Das war tatsächlich keine Förderung.
00:25:53: Ich hab den komplett aus eigener Tasche finanziert.
00:25:55: Es ist dadurch auch ein Herzensprojekt geboren, weil's jetzt komplett so meins ist.
00:26:00: Und dass der Leute wieder mitgewirkt haben.
00:26:04: Ist was ... ja, aus mir... entstanden, ohne dass da irgendeine Redaktion mitredet.
00:26:11: Ja also das ist wirklich jetzt zu meins.
00:26:12: dadurch und es gab muss ich dazu sagen von Anfang an ist kein Skript so soll der Film sein.
00:26:19: Das muss man bei einer Redaktionen oft machen.
00:26:21: die wollen genau wissen okay was passiert welche Szenen gibt's und so.
00:26:24: Das habe ich alles nicht gemacht sondern ich wusste ich will meine ganzen Geschwister interviewn.
00:26:28: Ich möchte von denen hören wie war die Zeit damals und möchte dann in einem Prozess mit allen starten.
00:26:35: Wie der aussieht wusste ich von Anfang an auch nicht, das hat sich dann im Laufe des Films auch so entwickelt weil natürlich ist ja auch das Schöne an einem Dokumentarfilm man weiß ja nicht was passiert es ist halt nicht geskriptet sondern es ist etwas.
00:26:49: da kann man vielleicht eine Szene sich ausdenken aber ob die so eintritt Das weiß man echt.
00:26:55: Vor allem nicht, wenn es um Emotionen geht oder Saugen geht.
00:26:59: okay hier soll jetzt eine authentische Situation entstehen.
00:27:02: Ja ok probieren wir mal das wusste ich oft nicht.
00:27:05: und manche dieser Szenen die jetzt im Film sind auch welche die meine eigene Emotionalität beinhalten Ich hatte keine Ahnung was da passiert.
00:27:13: also Es gibt ja ein Kartenspiel über das wir spielen nicht was ihr die Szene gesehen hast.
00:27:18: Ich wusste nicht mal, welche Karte ich ziehe.
00:27:20: Das war nicht geskriptet oder wir haben ja jetzt nicht die Karten so hingelegt, dass sich die Karte zu einem bestimmten Thema zieht, sondern ich hätte auch falsche Karten ziehen können mit dem Thema, wo ich wenig anfangen kann und dann wäre sicherlich weniger passiert.
00:27:33: also es war viel Glück dabei und trotzdem war's aber natürlich auch in Teilen geplant das wir diese Spielspielen waren natürlich bewusst geplant weil wir wussten da durch dieses spiel können tiefe Gespräche entstehen Genau.
00:27:46: Und die Therapie, die wir dann am Ende machen ... Das war von Anfang an eines der Dinge, wo wir gesagt haben, wenn wir mit unseren Mitteln, wie wir als Kernfamilie haben nicht weiterkommen, dann holen wir uns externe Hilfe und das haben wir am Ende auch gemacht, weil wir gemerkt haben, schön dass wir uns treffen.
00:28:06: An den Dynamiken ändert sich wenig.
00:28:09: Wir kommen nicht wirklich weiter.
00:28:14: Deswegen war dann irgendwann klar, okay wir wollen auch was therapeutisches machen.
00:28:19: Das ist innerhalb der Filmproduktion entstand?
00:28:22: Dass sie gesagt, wir wollen therapeutisch arbeiten und du darfst es begleiten?
00:28:25: Das war relativ von Anfang an klar.
00:28:27: also das war eines der ersten Gespräche da bevor er erste Drehstadt gefunden hat war klar Wir wollen wenn wir nicht weiterkommen irgendwas therapeutisches zu machen.
00:28:37: Ich meine so viel kann ich vielleicht vorblecken.
00:28:38: nehmen Der Bruder Lukas is ja der Wütende im Film der die Wut in sich trägt.
00:28:44: Der hatte total Angst, auch schlecht dazustehen.
00:28:47: Und in der Öffentlichkeit als der Boomandar zu stehen so wie er sich mal in der Familie gefühlt hat und deswegen brauchte er irgendwas für sich um das irgendwie aufzufangen, um eine Perspektive am Horizont zu haben.
00:28:58: okay wir versuchen jetzt ganz viel was auch immer das sein wird aber wir versuchen ganz viel.
00:29:02: wenn es im Ende nicht funktioniert dann gibt es da aber noch so ein Backup worauf ich mich in Anfangszeichen freuen kann oder wo vielleicht dann einfach so eine neue Einordnung stattfindet und wo ich nicht am Ende des Films als Booman da stehe, sondern irgendwie die Möglichkeit habe dass es da so lösende Elemente gibt.
00:29:25: Und das ist dann lösend elementig bis ja auch keine Garantie gewesen.
00:29:28: also er ist immer noch einem großen Risiko geblieben für sich aber er hat das für sich gebraucht um da gut zusagen zu können.
00:29:36: Nachher ist ein wichtiges Element im Film geworden, tatsächlich diese Therapie.
00:29:40: Also ich
00:29:43: fand auch ganz spannend den Gedanken der erst mir vorhin auch als sich das Ich habe mich vorbereitet und den Filmen noch in Teilen mal ein bisschen geguckt Und gedacht Wir machen heutzutage ja eigentlich immer eine Gesprächstherapie zuerst und andere Therapieformen für uns selbst.
00:29:58: Versuchen wir uns von den Wunden der Familie zu heilen aber dass was ihr gemacht habt es Ja so viel stärker eigentlich die ganze Familie ... sich, begibt sich gemeinsam in Therapie.
00:30:10: Und alle sitzen da und hören quasi was der andere sagt aber im geschützten Rahmen, in einem geschützen Raum, begleitet von jemandem, der sich auskennt, von einem professionellen Psychotherapeutin in eurem Fall.
00:30:22: Wie siehst du denn das?
00:30:22: Wie wertvoll ist sowas dann vielleicht auch für andere?
00:30:27: Also ich muss dazu sagen, ich bin jetzt nicht psychologisch ausgebildet deswegen kann ich jetzt Nur meine Erfahrungen mitteilen.
00:30:34: Also ich glaube, wenn meine Partnerin ist Psychiaterin und Psychoanalytikerin also ich kenne mich in dem Feld schon natürlich ein bisschen aus.
00:30:43: Ich glaube es ist nicht nötig dass man das in der ganzen Familie macht sondern ich glaube man kann Therapie auch ganz alleine machen In einem Einzelsetting oder im Gruppentherapie.
00:30:53: also ich glaube nicht Dass wir das gemacht haben Der einzige Weg ist oder der beste Weg ist.
00:30:59: Das ist glaube ich super individuell.
00:31:01: Bei uns hat es funktioniert.
00:31:02: Das hat gut funktioniert, weil wir alle miteinander gut reden können und weil wir das wollen und da Lust drauf hatten.
00:31:10: aber jetzt stell dir nur mal vor Nikolas du hast einen Vater der streubt sich mit Händen um Füßen dagegen zur Therapie zu gehen dass wir glaube ich eine verzweifelte und anstrengende Situation und ich weiß nicht ob das unbedingt hilfreich ist.
00:31:24: stattdessen ist vielleicht hilfreicher eine einzelne Therapie machen oder mit der Mutter zusammenzugeben ohne den Vater und als therapeutisches Ziel zu haben, dass man den Vater so nehmen kann wie er ist.
00:31:36: Also ich hoffe ich trete jetzt nie mal auf die Füße mit meiner Küchenpsychologie hier aber ich glaube das es einfach nicht einen Weg gibt sondern Therapie ist einfach wahnsinnig individuell und hängt immer sehr davon ab aus welcher Konstellation, aus welchem Situation man kommt Und auch was man selbst für ein Typ ist.
00:31:57: also vielleicht habe Ich weiß nicht, ob ich Probleme mit meinem Vater habe.
00:32:02: Vielleicht hab' ich dann gar keine Lust, mit dem in Therapie zu sitzen sondern will das erst mal alleine machen und den ersten Mal wieder die Augen gucken können also... Also es kommt glaube ich sehr darauf an, wenn man ist, wo man herkommt.
00:32:14: Und in unserem Fall war das total schön, dass so zu machen die Therapeutin, die das gemacht hat, die hat danach auch noch andere Familien gehabt, wo auch alle in der Familie da waren.
00:32:24: aber es ist schon eher selten, hat sie gesagt und das ist alles andere als die Regel und ich glaube es muss auch nicht die Regel werden.
00:32:32: also genau
00:32:35: Ich denke auch, man kann das so festhalten.
00:32:36: natürlich ist es wahnsinnig individuell solche guten Grundvoraussetzungen da sind, dass alle ja sagen.
00:32:43: Dass alle weiterkommen wollen innerhalb der Familie, das alle aber auch so kommunizieren können.
00:32:49: Dann ist es glaube ich sehr heilsam.
00:32:50: ansonsten natürlich kann es auch individuell sein, dass man sagt jeder braucht für sich erst mal vorher so einen gewissen Rahmen um sich dazu öffnen und zu gucken kann nicht das überhaupt.
00:33:01: Aber ich glaube es kann wahnsinnig heilsamt sein.
00:33:04: also habe auch immer wieder bei mir selbst in den Mit Klienten erlebt, dass ich gesagt habe naja eigentlich fehlt denen vielleicht nun ein Gespräch mal mit den Eltern.
00:33:15: und dann gab es natürlich welche die gesagt haben okay wie gehen wir das an?
00:33:18: Und haben das gemacht.
00:33:20: Das war auch sehr heilsam und andere haben gesagt Es ist nicht möglich also es geht einfach nicht und es geht manchmal auch wirklich nicht wenn Menschen sich mit Händen und Füßen wehren.
00:33:30: Also ihr seid ja als Familie in diese Therapieform gegangen und ich finde, diese Therapieform, vor allem wenn man das im Film sieht kann wahnsinnig heilsam auch für andere sein.
00:33:40: Also das kann ich von mir selbst sagen, ich habe eine klinische Erfahrung mit der gleichen Therapie-Form und bei mir gemerkt, obwohl es ein ganz eigenes individuelles Thema der Person war die im Mittelpunkt stand konnte ich das auf meine Situation adaptieren Und konnte meine Gefühle dann plötzlich zuordnen und sagen, Moment mal in deiner Kindheit waren ja auch Dinge vielleicht nicht in Ordnung oder ganz anders als du sie gesehen hast.
00:34:05: Wie heilsam war das denn?
00:34:07: Oder also erst einmal wie gut konntest du dich auf diese Therapieform einlassen?
00:34:13: Ja also wir haben bei uns in der Familie alle mit dieser Therapie vom schon irgendwie Berührungspunkte gehabt irgendwann.
00:34:20: In Vorbereitung auf diesen Filmen habe ich selbst nochmal so eine Therapie mitgemacht und versuchte es besser zu verstehen.
00:34:30: Und konnte mich da gut drauf einlassen, habe gemerkt dass da irgendwas wirkt.
00:34:37: Deswegen war das gut für uns alle und das ist etwas was uns einfach schon viele Jahre begleitet und wo wir schon das jetzt nichts Neues für uns sondern meine Eltern haben schon viele jahre damit beruhigungspunkte gehabt und wir
00:34:50: auch
00:34:51: in kleineren Umfang natürlich aber Es war etwas, was uns allen vertraut ist und deswegen konnten wir uns alle sehr gut darauf einlassen.
00:34:58: Und
00:34:59: das dann
00:35:00: auch im Film machen letztendlich.
00:35:01: Das ist ja auch noch mal was anderes ne?
00:35:02: Wenn man dann als ganze Familie an einem Ort diese Therapie macht... ...dann ist das besonderes in unserem Fall einfach wahnsinnig heilsam.
00:35:12: Ja!
00:35:14: Der Film heißt ja Sieben Seelen ringen um Familie.
00:35:19: Warum ringen Um Familie?
00:35:22: Weil Also, es ist natürlich eine doppelte Bedeutung irgendwie.
00:35:26: Auf der einen Seite sind wir tatsächlich physisch miteinander und ... Es gab in der Kind halt immer viele Massagen.
00:35:33: Wir wurden jeden Morgen immer einigen Minuten von Papa massiert, bevor wir zur Schule gegangen sind.
00:35:36: Das war viel körperlich.
00:35:39: Gleichzeitig, wenn wir wütend waren und Sachen kaputt gemacht haben, hat unser Vater uns aber auch festgehalten.
00:35:43: Also das ist wirklich physisch begrenzt so dass wir keine mehr schaden konnten.
00:35:48: Es war liebevoll, aber es war auch schützen irgendwie.
00:35:52: Körperlichkeit hat dadurch immer eine wichtige Rolle.
00:35:54: Wir haben auch viel gerangelt mit Papa früher und so, also das war normal für uns.
00:35:59: Und natürlich geht es da gar nicht so sehr um unsere Kindheit bei diesem Filmtitel sondern es geht darum wie ist es denn eigentlich heute?
00:36:08: Und Ringum Familie ist einfach das Thema des Films.
00:36:12: Es geht darum... Wie kann man, wenn ein großer Schmerz besteht und die Familie droht auseinander zu brechen wieder zusammenfinden?
00:36:20: Und das ist natürlich nicht so... Hier ist der Blueprint.
00:36:23: So macht man das Schritt eins, Schritt zwei, Schritt drei.
00:36:26: Sondern man muss darum ringen!
00:36:27: Man muss gucken funktioniert Schritt Eins und dann ringt man da rum.
00:36:30: So ah ne, er funktioniert nicht okay.
00:36:31: Dann nehmen wir halt den zweiten vielleicht.
00:36:34: Na ja mal gucken.
00:36:36: Also man ringt darum einen Weg für sich zu finden Und das ist schwierig, weil es gibt da nicht die eine Vorgabe.
00:36:43: Das ist ein aushandelndes, ein miteinander im Gespräch bleiben und gucken.
00:36:47: wie weit kann ich bei dem anderen gehen?
00:36:49: Wie weit lasse ich über den Anderen an mich heran?
00:36:51: Und dass ist ein ständiges Taktieren!
00:36:54: Dieses Ring habe ich aber genommen, weil's tatsächlich auch sehr nahe ist.
00:37:01: Es ist wahnsinnig intim und wir sind nicht nur... physisch im Team, ja in dem Sinne dass wir uns gegenseitig massieren und solche Geschichten sondern auch seelisch.
00:37:11: Und deswegen ist es einfach.
00:37:13: dieses Ring ist einfach etwas was das sehr gut zeigt finde ich irgendwie dieses Name ineinander irgendwie verspielt aber doch ernst und aber mit einem Ziel am Ende.
00:37:25: Das Ziel ist halt wie kommen wir als Familie wieder zusammen?
00:37:28: Und das ist das was wir diesen Film versuchen und wo wir die Zuschauerinnen einladen, daran teilzunehmen und zu gucken wie das eine verrückte was durchgeknallte Familie aus dem Münsterland versucht.
00:37:42: Wo kann man den Film denn eigentlich sehen wenn man das möchte?
00:37:46: Ja also das Schöne ist dass der Film mittlerweile schon im Internet zur Verfügung steht.
00:37:50: es gibt denen auf Apple TV YouTube Amazon Prime und auf einer süßen kleinen Kino-Boutique Plattform die heißt Kino On Demand.
00:37:59: Der kostet überall irgendwie mehr oder weniger das Gleiche.
00:38:03: Und dann zusätzlich zeige ich den gerade noch an verschiedenen Orten in ganz Deutschland, möglicherweise bald auch Österreich und da sind dann Live-Events wo ich selbst vor Ort sein werde bis danach Gespräche gibt und wo verschiedene Organisationen die sich mit diesem Thema auseinandersetzen Veranstaltung organisieren und Leute einladen den Film dort zu gucken und danach darüber zu sprechen.
00:38:27: Ja, und da gibt es viele in Hamburg aber auch in Nordrhein-Westfalen.
00:38:30: In Berlin, Mecklenburg-Vorpommern also das sind so einige Süddeutschland gibt's einige.
00:38:35: Also da sind wir jetzt gerade noch voll in der Planung.
00:38:37: ein paar stehen schon auf der Webseite.
00:38:39: darf ich die hier nennen?
00:38:41: Ja gerne!
00:38:42: Die ist ganz einfach www.siebenseelen.de.
00:38:45: Da gibts einen Reiter der heißt Events Die ganzen Events gucken angucken und sehen, ob da irgendwas in der eigenen Nähe ist.
00:38:52: So das sind die Sachen, die jetzt bestätigt sind.
00:38:54: Es gibt auch noch eine Redaktion von einem Fernsehsender, die an einer kürzeren Variante des Films interessiert sind für nächstes Jahr.
00:39:02: aber das ist alles noch nicht unterschrieben.
00:39:04: deswegen sage ich dir jetzt mal lieber nicht zu viel zu.
00:39:08: Also hätte ich jetzt eh gesagt www.siebenseelen.de, da kann man auch direkt vorne auf Film sehen klicken und gucken wo gibt's den?
00:39:16: Und dann geht es direkt weiter an die Stellen die du jetzt auch genannt hast und dann kann man sich den kaufen und angucken.
00:39:24: also ich kann das wie gesagt total empfehlen.
00:39:26: Ich habe ihn immer noch nicht ganz gesehen Wie gesagt aber was ich gesehen hab war schon Auch für mich wieder in Teilen sehr heilsam.
00:39:32: weil sie mich wieder zurück holt ... geht Menschen mit Depressionen ja sowieso ganz oft so, dass man... für sich Dinge löst.
00:39:41: Dass man so sein Puzzle löst und weiterkommt und dann geht es einem besser und dann fängt man wieder an ins alte Muster zu fallen.
00:39:48: Dann geht's dann wieder schlechter.
00:39:49: Und manchmal steht man dann wieder vor dem Rätsel was ist jetzt wieder los?
00:39:52: Ich finde immer gut wenn man sich wieder in das Gehirn holt, in die Gedanken zieht was kann ich tun, und dass sich für mich auch etwas tun muss.
00:40:01: Und nicht in die alten Muster verfallen
00:40:03: darf.".
00:40:03: Das ist bei dem Film wirklich toll!
00:40:05: Hat mich so ein bisschen an meine Klinikzeit erinnert... Da hatte ich auch viel Gespräche.
00:40:12: Was ihr in der Familie hatte zum Beispiel mit diesen tiefen und offenen Gesprächen, das hatte ich meiner Familie gar nicht.
00:40:17: Hätte uns sehr gut getan als Familie.
00:40:20: Bei uns ist es tatsächlich auch umgekehrt gelaufen.
00:40:22: Die ist auseinander gebrochen da ist eigentlich kaum oder gar kein Kontakt zwischen allen nicht mehr.
00:40:27: Also keiner aus eurer Familie hat Kontakt miteinander?
00:40:30: Nicht so richtig, nee.
00:40:31: Oh wow!
00:40:32: Und
00:40:33: da ist Kommunikation natürlich wahnsinnig wichtig.
00:40:36: Monizieren
00:40:37: lernen ist ein wahnsicht wichtiger Skill finde ich auch dass man Meinungen von Fakten unterscheiden kann und dass man anderen Menschen aber auch ihre Meinung lassen kann die halt gerade in ihrer Welt das so sehen wie sie es gerade sehen.
00:40:50: ja das finde ich grundsätzlich wichtig gerade in der Gesellschaft in der wir gerade leben irgendwie aber gleichzeitig.
00:40:56: Man kann glaube ich auch nicht immer alles selbst aushalten, also anderen Leuten ihre Meinung lassen.
00:41:00: Es ist eine aber sich dann ständig mit dieser Meinung umgeben als andere.
00:41:04: Also das könnte ich nicht mit allen Meinungen permanent.
00:41:07: Da muss man glaube ich gucken dass man sich dann selbst schützt.
00:41:09: Das ist ja sicherlich auch das was bei euch dazu geführt hat, dass ihr jetzt keinen Kontakt mehr miteinander habt nämlich an
00:41:15: Ich finde es absolut richtig was du sagst den anderen die Meinung zu lassen heißt nicht dass ich damit einverstanden bin und das heißt doch nicht dass mir das nicht meine Energie irgendwo raubt.
00:41:24: wenn Ich liebe zum Beispiel seit mehreren Jahren vegan und ich merke immer, dass sich eine Provokation für andere bin.
00:41:31: Alleine, dass ich das ausspreche.
00:41:35: Also da gibt's natürlich viele Fakten, die man nennen kann.
00:41:37: Aber es ist auch ganz viel in der Meinung und das ist halt einfach ein ethischer Grund wo ich sage Ich möchte das und da den anderen zu lassen aber ich will dass.
00:41:45: aber Es ist doch so.
00:41:47: aber der Löwe hat schon vor tausend Jahren die Ziege gefressen ja Macht alles keinen Sinn?
00:41:52: Ich lasse es denen auch ist auch völlig in Ordnung für mich.
00:41:54: also ich verurteile nicht Aber ich kann's nicht die ganze Zeit hören.
00:41:58: Ich muss mich dann davon trennen und zwar wirklich auch räumlich, ich muss dann wirklich gehen von den Menschen, die darauf beharren... Und für mich ist es einfach auch schwierig in Zusammensein zu haben mit Menschen, ...die mir zumindest meine Meinung nicht lassen oder sagen hey, ich schaffs noch nicht!
00:42:13: Aber ich find's gut dass du das machst.
00:42:16: Ja voll, ja total.
00:42:17: Also finde ich auch total wichtig, dass man das weiterkann Praktiziert.
00:42:22: Es ist gesünder auf jeden Fall.
00:42:24: Ja, es ist gesunder genau.
00:42:25: also ich glaube das muss ein bisschen Maß finden weil ich finde als ich aber im Journalismus und Ich habe ständig mit anderen Meinungen zu tun und mit ganz anderen Kulturen die nochmal ganz andere Meinung haben die wir vielleicht gar nicht nachvollziehen können Und trotzdem finde ich es wichtig dass man natürlich auch diese meinung sich anhört.
00:42:41: Also sich vor allem zu verschließen funktioniert natürlich auch nicht.
00:42:44: dann lebt man irgendwann in einer Blase und versteht die welt um sich herum nicht mehr.
00:42:47: also schon wichtig immer noch draußen zu gucken Aber in einem Maß, das einem selbst nicht schadet.
00:42:54: Ja
00:42:54: absolut!
00:42:55: Da scheint es zum guten Mittelweg für dich gefunden zu haben.
00:42:58: Es hat lange gedauert aber ja den habe ich mit dabei gefunden sonst wäre es auch schwierig... ...mit
00:43:03: der Diffusionsverwältigung.
00:43:06: Stefan ich bedanke mich wirklich vielmals für deine Zeit.
00:43:10: Ich empfehle den Film uneingeschränkt ist für alle die sich mit dem Thema beschäftigen wollen vor allem aber für Angehörige und natürlich für Betroffene.
00:43:20: wirklich ein schöner Film.
00:43:23: Da steckt auch viel Verständnis, viel Mut, viel Hoffnung drin weil er ja auch so einen Bogen hat.
00:43:28: also du spannst dir auch so den Bogen und es gibt da noch Lösungen die ihr als Familie findet aus denen man sich ganz viel ziehen kann und ich hoffe dass er ganz viel gesehen wird und Erfolg hat.
00:43:38: Ja ich danke dir Nikolas.
00:43:40: vielleicht sehen wir uns bei einem der Live-Events sind nicht sehr freundlich.
00:43:44: Danke dir machts gut!
00:43:45: Du auch tschau!
00:43:46: Tschüss Das war.
00:43:50: Lasst
00:43:51: uns über Depression ansprechen.
00:43:54: Wenn es dir gefallen hat, wir freuen uns über dein
00:43:56: Feedback
00:43:57: und eine Bewertung!
00:44:00: Bitte bedenke das alles was hier besprochen wurde auf meiner eigenen Meinung oder der Meinung meiner Gäste basiert.
00:44:08: Bis zum nächsten Mal – Alles Gute.